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Verkauf
der Pharmaproduktion bringt Gehe 1,2 Milliarden DM
Sandoz
steigt in deutschen Generikamarkt ein / Knoll kauft Frankreichs
Generika-Hersteller GNR-Pharma
Gehe AG, Stuttgart.
Das Pharmaunternehmen trennt sich von der Arzneimittelproduktion und behält
lediglich eine Beteiligung von 25,1 Prozent an der Jenapharm GmbH, die
mittlerweile mehrheitlich der Schering AG gehört (F.A.Z. vom 15.
Oktober). Grund für diese Entscheidung ist der angestrebte Ausbau
der Position als Marktführer im Pharmagroßhandel sowie die
weitere Expansion in den Geschäftsbereichen Gesundheitsdienste und
Versandhandel mit Büro- und Betriebsausstattungen. Der Aufbau einer
international bedeutsamen Position in der Pharmaproduktion hätte
nach Angaben von Gehe-Vorstandschef Dieter Kämmerer außerordentlich
hohe Investitionen erfordert. Außerdem würden nun mit der Trennung
von der Arzneimittelherstellung negative Auswirkungen auf den Großhandel
durch mögliche Interessenskonflikte mit anderen Herstellern beseitigt.
Vom Verkauf sind insgesamt vier Gehe-Tochtergesellschaften betroffen.
Den Verkaufserlös (einschließlich des bereits im Juli erfolgten
Mehrheitsverkaufs von Jenapharm) beziffert Gehe auf 1,2 Milliarden DM.
Die Azupharma GmbH, Gerlingen, ist mit Abstand das größte der
Unternehmen, von denen Gehe sich jetzt trennt. Den drittgrößten
deutschen Anbieter von Generika (Arzneimittel, deren Patentschutz abgelaufen
ist) will die Schweizer Sandoz AG übernehmen. Eine grundsätzliche
Vereinbarung wurde abgeschlossen. Die Sandoz AG, die sich mit der Ciba-Geigy
AG zur Novartis AG zusammenschließt, ist auf dem deutschen Generikamarkt,
dem zweitgrößten der Welt, bisher nicht präsent. Azupharma
soll Sandoz einen breiten Marktzugang ermöglichen und auch als Basis
für die Neueinführung von Generika dienen. Azupharma hat im
vergangen Jahr mit 440 Beschäftigten einen Umsatz von 222 Millionen
DM verbucht. Der Kaufpreis beträgt 640 Millionen DM. Nach Angaben
von Gehe-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick ist die schuldenfreie Übernahme
vereinbart, so daß Gehe nach Tilgung der Verbindlichkeiten von Azupharma
etwa 570 Millionen DM zufließen werden. Den Lohnhersteller allphamed
Arzneimittelgesellschaft mbH, Göttingen, will das ebenfalls für
Dritte tätige Unternehmen Phabil übernehmen. Der Käufer
von Aliud Pharma GmbH & Co. KG, Laichingen, möchte die Übernahme
selbst bekannt geben.
Unterdessen hat BASF bestätigt, daß die zur BASF-Gruppe gehörende
Knoll AG und ihre französische Tochtergesellschaft Laboratoires Knoll
France den französischen Generikahersteller GNR-pharma S.A., Paris,
erworben haben. GNR-pharma wurde von der Gehe Medica GmbH, Stuttgart,
veräußert. Trotz des relativ kleinen Umsatzes von rund 20 Millionen
DM gilt GNR-pharma nach Angaben der BASF als das größte Generikaunternehmen
in Frankreich. BASF stellt den Kauf in den größeren Zusammenhang
ihrer Unternehmensstrategie, die weitgehend konjunkturunabhängigen
Arbeitsgebiete Gesundheit und Ernährung neben den Arbeitsgebieten
Chemie und Erdgas/Erdöl weiter zu stärken.
Die Knoll-Gruppe übernahm zum 1. Oktober die bis dahin von der Gehe
Medica gehaltenen Registrierungsrechte sowie die Laboratoires GNR Development
in Aubervilles. GNR-pharma ist derzeit mit 15 Wirkstoffen in 24 Dosierungen
am französischen Markt. Ende 1996 sollen zehn weitere Wirkstoffe
hinzukommen.
Published
on 16th October 1996 in "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
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